Schon knapp eine Woche vor dem eigentlichen Ende des Praktikums ein Resümee schreiben? Dachte ich mir auch, aber ich riskiere es trotzdem!
Die Arbeit in einem Inkassounternehmen, vor allem im Bereich des Forderungsmanagements im Ausland, ist eine sehr interessante Tätigkeit und so ganz anders, als man sich das unter dem Begriff „Inkasso“ im Allgemeinen vorstellen mag. Mit Inkasso verbindet man häufig missgelaunte, dunkle Gestalten, die wirklich alles tun, ob legal oder illegal, um an das Geld der Schuldner heranzukommen. Diese sog. „Russen-Inkasso“-Firmen lassen ein Image entstehen, mit dem die Branche heute noch Probleme hat.
Die Realität sieht natürlich ganz anders aus. Die EOS KSI Inkasso Deutschland GmbH, mit Sitz in Bad Rappenau OT Fürfeld und Niederlassungen in Mannheim und weiteren Städten, gehört zur EOS Unternehmensgruppe, welche wiederum Teil des Otto-Konzerns ist. Die EOS Gruppe beinhaltet neben weiteren deutschen Inkassounternehmen wie z. B. dem DID (Deutscher Inkasso-Dienst), SID (Süddeutscher Inkasso-Dienst) oder EOS VIK (Verleger-Inkasso) auch viele Schwesterfirmen im europäischen Ausland.

- EOS KSI Zentrale in Bad Rappenau
Ziel ist es, die Liquidität des Kunden zu sichern, die Beziehungen der Gläubiger zu den säumigen Kunden zu erhalten und Forderungen bereits vor den gerichtlichen Verfahrenweisen zu realisieren, um den Streitparteien so Kosten und Mühen zu ersparen.
Nun arbeite ich seit gut 3 Wochen im Team „Cross Border“, zuständig für das Management von Forderungen im Ausland bzw. Forderungen in Deutschland aus dem Ausland. Hier arbeiten mehrsprachige Kolleginnen (außer mir durchweg weibliches Personal) unter einer ebenso weiblichen Teamleitung. Die Art und Weise, wie hier mit Gläubigern und säumigen Kunden kommuniziert wird, entspricht nicht dem geläufigen schlechten Image der Branche. Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Einsichtigkeit und Vergleichsbereitschaft dominieren hier das Geschehen.
Meine Hauptaufgabe ist hier, neben dem Aufarbeiten der Ablage, das Erstellen von Gebrauchsgegenständen in Form von Listen und Dokumenten für die Erleichterung des Inkasso-Alltags. So habe ich mit der Befragung meiner Kolleginnen und im Internet selbst Online-Adressrecherchemöglichkeiten für die einzelnen Länder herausgesucht, die man hier bearbeitet. Des Weiteren habe ich eine Übersicht der gesetzlichen Verjährungsfristen europäischer Staaten mit Dauer, Zweck und Eintrittsdatum erstellt.
Dieses detaillierte Mammutwerk galt es dann im Anschluss an seine Vollendung ins Englische zu übersetzen, um es den ausländischen Schwesterfirmen in naher Zukunft zur Verfügung stellen zu können. Meine sprachlichen Fähigkeiten konnte ich außerdem bei der Übersetzung von gerichtlichen Vergleichen, anwaltlichem Schriftverkehr und anderen Dokumenten anwenden. Das neue europäische Mahnverfahren nach der EU-Verordnung 1896/2006 war Thema einer kurzen, zusammenfassenden Abhandlung, die ich gestern fertig gestellt habe.
Mein persönlicher Eindruck ist sehr positiv. Ich konnte Einblick in den Alltag eines Inkassounternehmens bei der Realisierung von Forderungen im Ausland nehmen. Mir wurden unternehmensintern verantwortungsvolle und meinem Kompetenzprofil entsprechende Aufgaben anvertraut, die ich stets mit bestem Wissen und Gewissen so kompetent wie möglich erledigte und die auch immer einen gewissen Lerneffekt für mich mit sich brachten. Ein kleiner persönlicher Minuspunkt ist die teilweise stumpfsinnige und langweilige Erledingung der Ablage, die aber natürlich mit zum Geschäft gehört. Deshalb auch nur ein ganz kleiner Minuspunkt, der die bisher grundsätzlich positive Bilanz auf keinen Fall schmälert.
Eine gute Woche ist’s ja bis zum endgültigen Ende noch hin. Bis dahin kann noch vieles passieren. Eine ultimativ letzte Bewertung des Praktikums wird also erst Ende nächster Woche hier nachzulesen sein.
Ulf
Hallo !
Da gebe ich ihnen Recht das es eine weitläufig verbreitete Meinung ist mit den Inkasso-Unternehmen (schwarze Schafe). Aber wo nichts zu holen ist, wird es auch mit Prügel nicht zu holen geben.
So wie ich ihren Text verstanden habe ist ja bei ihnen mit einer Festanstellung zu rechnen, Gratuliere !
Das mit den Übersetzungen ins Englische hätte ja auch ein Profi für viel Geld machen können. So aber werden Sie im Falle eines Falles immer wieder damit konfrontiert.
Viel Glück jedenfalls. Nochmal zum Thema:
Ich denke mal das 90 % aller Deutschen an die Russen Inkassobüros denken sobald sie das Wort nur hören oder Lesen. Das es aber leider Notwendig ist wenn man die Dienste solcher Firmen in Anspruch nehmen muß ist mir klar. Ich wüsste nicht wie ich Abends einschlafen soll wenn ich diese Probleme hätte.
Gruß Axel
Hallo!
Eine Festanstellung habe ich momentan noch nicht im Visier, da vor kurzem erste das 1. Ausbildungsjahr mit Ausnahme einiger Prüfungen im September zu Ende gegangen ist.
Für mich war bzw. ist das Praktikum eine Möglichkeit, einen weiteren, dem Leistungsprofil der in diesem Blog thematisierten relativ unbekannten Ausbildung entsprechenden Arbeitsbereich kennen zu lernen und vorab ein wenig „Berufserfahrung“ sammeln zu können.
Nebenbei hat es natürlich auch mein persönliches Bild der Inkassobranche ingesamt stark verbessert.
MfG
Ulf